Selbstbauobjekte

Allgemeines
Mikrorechner-Entwicklungsarbeitplatz(1988/89)
Amateurcomputer AC1 (1984)
LLC2 (1984/85)
GDC- Grafik-Display-Computer (1985)
Jugend+Technik-Computer (1987)
Spectral (1987)
HCX (1988)
PC/M - Computer (1989)
BCS 03
Z1013-kompatibler Z80-Computer
Weitere Eigenbau-Computer
BM880
EPROM-Programmiermodul für KC85/3
CPU-Simulator für U880-Systeme



Allgemeines

Es waren harte Zeiten für den DDR-Computerfreak. Da im Handel kaum fertige Computertechnik angeboten wurde, hieß das Motto "selber bauen". So wurde experimentiert, gelötet, nachgebaut. Es war schier unglaublich, was für leistungsfähige Computer und auch Zubehör aus den wenigen in der DDR zur Verfügung stehenden Bauteilen entstanden.
Es machte aber großen Spaß und das Erfolgserlebnis, etwas Eigenes, Einmaliges geschaffen zu haben, entschädigte viele Mühen und schlaflose Nächte.
Einige Fachzeitschriften, wie z.B. "radio fernsehen elektronik" oder "funkamateur" veröffentlichten Bauanleitungen für BASIC- und CP/M Computer. Für Viele begann damit auch der "Hürdenlauf" zur Bauteilbeschaffung. Allein in Berlin gab es neben den beiden RFT-Amateurläden in der
- Kopernikusstrasse (Nähe Warschauer Brücke) und der
- Kastanienallee (Nähe Schönhauser Allee)
die Konsum-Verkaufsstelle:
- Sterndamm (Johannisthal)
sowie weitere private Läden:
- Dimitroffstrasse (jetzt Danziger Str. Nähe Greifswalder Str.),
- Dimitroffstrasse (nähe Schönhauser Allee),
- Wilhelminenhofstrasse (Oberschöneweide),
- Bölschestrasse (Friedrichshagen) und
- Kurt-Fischer-Strasse (jetzt Hermann-Hesse-Strasse - Niederschönhausen).
- Marie-Curie-Allee (Lichtenberg) mit dem noch kurz vor der Wende etablierten Zweitladen in der Dirksenstr. (Nähe Alexanderplatz), wo sich jetzt ein Restaurant befindet.
Als eifriger Bastler mußte man alle diese "Quellen" möglichst regelmäßig frequentieren, da auch hier galt:
Das Anbebot war regelmäßig ungleich verteilt.

Wer sich nicht ständig in die Schlangen der RFT-Amateur- und privaten Bastlerläden in den Großstädten einreihen konnte, hatte es schwer. Auch ein Versandhandel für Elektronikzubehör, der Konsum-Elektronik-Versand Wermsdorf, glänzte nicht gerade mit ständiger Verfügbarkeit vieler Bauteile. 1986 gab es zeitweise nicht einmal die "Bastlervariante" des U880D (Z80-Nachbau) im Fachhandel. So kam dann auch der "private Schwarzhandel" in den Fachzeitschriften zum Zuge - und was da nicht alles angeboten wurde! Allerdings waren die Preise entsprechend Angebot und Nachfrage schon ein Vorbote des kommenden Kapitalismus (das wußte natürlich damals noch niemand!). Eine vernünftige Tastatur, wenn man sie dann schon mal bekam, kostete schon etwa die Hälfte eines Monatseinkommens (s. Bild).



Da dennoch entsprechend großes Interesse an Computern und Mikrorechentechnik vorhanden war, entstanden so viele "exotische" Geräte. Aber sie funktionierten.



Mikrorechner-Entwicklungsarbeitsplatz (1988/89)
Das modulare System des KC85 aus Mühlhausen gestattet es eigentlich alle nur denkbaren Schnittstellen, Programm- und Speichererweiterungen zu einem universalen System zusammen zu stecken, um damit eine - für die damalige Verhältnisse in den späten 80er Jahren - optimale Entwicklungsumgebung für mikroelektronischen Geräte zu erhalten. Es bestand jedoch ein recht hinderliches Beschaffungsproblem der einzelen Komponenten - auch für so genannte "gesellschaftliche Bedarfsträger", wenn sie nicht mit besonderen Privilegien (z.B. LVO) ausgestattet waren.
Um nicht endlose Wartezeit längerer Lieferfristen sinnlos zu vergeuden, wurde dann vielfach in den Eigenbau ausgewichen. Da, wo bestimmte Gegebenheiten, wie z.B. die Leiterplatten-Herstellung nicht vorhanden waren, wurden der Einfachheit halber Universal-Lochraster-, oder speziell vorgefertigte Platinen verwendet. In den Bereichen damaliger Taktfrequenzen unter 10MHz bereitete das in der Regel keine Probleme.
Mangels kurzfristiger Verfügbarkeit eines kompletten KC85/3-Systems mit Erweiterungsaufsatz und diversen Modulen wurde von PS im Rahmen seiner damaligen Berufstätigkeit ein Kompakt-Zusatzgerät zum KC85/3 entwickelt und gebaut, mit dem nicht nur Soft-/Hardware-Entwickungen für das U880-Mikroprozessorsysstem vorgenommen, sondern auch erste "Gehversuche" mit Einchipmikrorechnern unternommen werden konnten. Außerdem sind durch Bereitstellung "bescheidener" stabilisierter Standard-Stromversorgungen auch Tests an vielfältiger Hardware möglich gewesen.
Eine detaillierte Beschreibung ist hier zu finden.

Einige Bilder werden demnächst dazu noch folgen...



Amateurcomputer AC1 (1984)


Ein Nachbau des im "Funkamateur" vorgestellten Amateurcomputers "AC1" und die Platine eines Prototyps (re.)

Zur Geschichte des AC1:
Anfang der achtziger Jahre: Das Referat Technik des Präsidiums des Radioclubs der DDR beschloß die Entwicklung eines elektronischen Fernschreibgerätes zur Weiterentwicklung der Sendeart RTTY. Unter mehreren anderen Lösungen unterschiedlichen Aufwandes setzte sich der Vorschlag von Frank Heyder durch. Die technische Grundlage sollte das DDR-Mikroprozessorsystem U880 bilden, das dem Amateur bereits aus eigener Produktion zur Verfügung stand. Wesentlich komplizierter zeigte sich die Lage bei den peripheren Bauelementen. Die Bedingung, den Computer ausschließlich mit in der DDR erhältlichen Bauteilen zu konstruieren, war nicht einfach zu erfüllen.
Es entstand der Versuchsaufbau (Bild oben rechts). Die erste Software bestand aus Monitorprogramm, CW- und ein einfaches RTTY-Programm.
1983 war der "AC1" als Exponat auf der ZMMM (Zentrale Messe der Meister von Morgen) zu sehen. Nach vielen Tests auf Nachbausicherheit wurde dann ab 1984 die Bauanleitung in der Zeitschrift "Funkamateur" veröffentlicht.

1989 sah der Standard-"AC1" etwa so aus:

64-K-dRAM
2-K-Zeichengenerator mit Pseudografik
2-K-Bildwiederholspeicher
32 Zeilen a 64 Zeichen
Magnetbandanschluß, Schreibmaschinentastatur

Einige Unentwegte spendierten dem "AC1" später dann eine 256-K-RAM-Floppy und Floppy-Disk-Laufwerk.


LLC2 (1984/85)

Der LLC2, als Nachfolgegerät des Lehr- u.Lerncomputers LLC1, ist ein Universalcomputer für Hobby u. Beruf. Spiele, Steuerungen, Textverarbeitung u.v.a.m. Auf den Erfahrungen des LLC1 aufbauend ist seine Schaltung so konzipiert, daß die Möglichkeiten der 8 Bit-Technik voll ausgenutzt werden. Für viele Jahre wird keine Überarbeitung infolge wiss.-techn. Fortschritts erforderlich sein.

Eigenschaften
-Abmessungen 215mm x 135mm x 30mm
-RAM- Speicher bis 64k Byte
-integrierte Alpha- Tastatur
-zuverlässige, praxiserprobte (Kassetten-)Magnetbandschnittstelle
-externe Spannungszuführung

Bildschirm
Als Ausgabegerät ist jedes beliebige Fernsehgerät, sowohl über den Antenneneingang, als auch vom Videosignal direkt ansteuerbar. Das Format beträgt 32 Zeilen zu je 64 Zeichen. Dabei geht die Bildschirmsteuerung nicht (wie z.B. beim ZX 80, ZX 81, BCS 3) zu Lasten der Rechnerzeit. Der komplette ASCII- Zeichensatz kann dargestellt werden (einschl. Kleinschreibung). Außerdem ist eine Pseudografik (sw/w) realisiert (s. Erweiterungen).

Software
Als nichtflüchtiger Programmspeicher wird nur ein EPROM benutzt (Urlader). Das Betriebssystem wird vom Magnetband geladen und blendet bei 64k-RAM den Urlader aus. Als Betriebssystem sind drei Varianten vorgesehen:
-komfortabler Monitor (Programmentwicklung u. -testung, Fehlersuche)
-3k Tiny-BASIC-Interpreter (vorzugsweise bei 16k-RAM)
-16k BASIC-Interpreter mit erweitertem Standardbefehlssatz. Farbe, Sound und Grafik (nur bei 64k-RAM)

Tastatur
Mit den Leiterplatten erhält der Besteller die Schaltmatten für 54 Tasten geliefert. Die Tastaturplatine (215mm x 100mm) ist schwenkbar mit der Grundplatte verbunden und kann mit wenigen mechanischen Bauteilen komplettiert und befestigt werden. Die Tastenanordnung ist der der Schreibmaschine ähnlich. Die verwendeten Schaltelemente besitzen im Unterschied zur Folientastatur einen deutlichen Druckpunkt, wie die Tasten eines Taschenrechners. Softwaremäßig kann eine akustische Betätigungsquittung zugeschaltet werden.

Leiterplatten
Zum Leiterplattensatz gehören die Grundplatte, die Tastaturplatine und die 54 Schaltelemente. Es wurden zwei Varianten angeboten (beide industriell hergestellt, was so alles "privat" ging!?): zweiseitige Leiterplatten ohne und mit galvanischer Durchkontaktierung.

Erweiterungen
Der LLC2 besitzt den kompletten, kompatiblen K1520- Systembus zur freien Verfügung, sowie weitere Steckverbinder für Hardware-Erweiterungen, Spannungszuführung, Anschlüsse Magnetband und Fernsehgerät. Über den K1520-Bus ist eine Erweiterung durch industrielle Kartenbaugruppen möglich, die zeitweise als Überplanbestände im Amateurhandel angeboten werden. Das Grundgerät stellt für den Anwender zwei komplette PIO-Kanäle und einen CTC-Kanal bereit. Ein freiverdrahtbarer Steckverbinder trägt den vielseitigen Einsatzmöglichkeiten des LLC2 Rechnung. Noch 1985 wird eine Farbgrafik-Erweiterung angeboten. Über weitere Angebote sowohl zur Software als auch zu unseren Serviceleistungen informiert die Bauanleitung.


GDC- Grafik-Display-Computer (1985)

Das Grundkonzept des GDC wurde auf der XIV. Hochschulleistungsschau der TH (heute TU) Ilmenau 1985 ausgestellt. Die hier vorgestellte Version wurde als Weiterentwicklung auf der XV. Hochschulleistungsschau der TH Ilmenau gezeigt. Aufgrund des (verständlicherweise) hohen Interesses entschlossen sich die Entwickler die Unterlagen des Computers Interessenten kostenlos zur Verfügung zu stellen.
Der GDC war ein 8-bit Rechner mit (teil) Kompatibilität zum ZX Spectrum. Durch veränderte ROM-Routinen laufen jedoch nicht alle ZX Spectrum Programme. Dafür besaß der Rechner Videoausgang, PIO-Port und Anschlußmöglichkeit für eine komfortable Tastatur.


Jugend+Technik-Computer (1987)

Die Zeitschrift Jugend+Technik begeisterte ihre Leser ab dem Heft 7/87 mit der Bauanleitung eines einfachen BASIC-Computers. Dieser Rechner basiert auf dem Einchipmikrorechner UB8830 (UB8831), einem DDR-Nachbau des ebenso berühmten EMR "Z8". Auf diesem einen Chip sind die CPU, ROM, RAM, PIO, SIO, UART und CTC bereits integriert, so dass mit wenigen externen Bauteilen ein einfacher Mikrocomputer realisierbar wurde.


Fotos: D. Weitendorf


In der Grundausstattung verfügt der JU+TE Computer über folgende Merkmale:

- "sagenhafte" 8 Zeilen x 13 Zeichen
- 2K Betriebssystem im externen ROM (ab 03/1989 4-K ROM)
- 256 bytes RAM (erweiterbar auf 16K, später bis 64K)
- 2K Tiny-MPBASIC-Interpreter (bereits im ROM des EMR UB8830 implementiert)
- Magnetbandinterface
- s/w Grafik

Bis Mitte des Jahres 1990 erschienen dann in dieser Zeitschrift (in unregelmäßiger Folge) Beiträge zum weiteren Ausbau des Computers. So unter anderem:
- Speichererweiterungen bis 64K
- EPROM Programmiergerät
- Oszillograph mit dem JU+TE Computer
- V.24 Schnittstelle
- IFSS Schnittstelle
- Anschluß einer elektronischen Schreibmaschine S3004 als Drucker


Spectral (1987)

Neben dem GDC entstand ein weiterer Nachbau des ZX-Spectrum. Entwickelt wurde er 1987 bei Ingenieurbetrieb für Anwendungen Mikroelektronik (IFAM) Erfurt. Dieser Rechner war ein perfekter Nachbau des ZX-Spectrum. Genannt wurde er "Spectral". 1988 wurde eine Bauanleitung von der Firma Hübner-Elektronik, einem heute noch existierenden privaten Elektronik-Bauelemente-Händler in Erfurt vertrieben. 1989 erschien bei der gleichen Firma eine Bauanleitung für einen Tastaturcontroller mit EMR U8820 zum Anschluss einer Schreibmaschinentastatur. Ein Video- und Joystickausgang waren ebenfalls vorhanden.


HCX (1988)

Im Rahmen der staatlichen Aufgabe "Konsumgüterproduktion" sollten die volkseigenen Betriebe der DDR Konsumgüter für die Bevölkerung herstellen. Nur in seltensten Fällen ging es dabei um die Nutzung freier Produktionskapazitäten, die gab es eigentlich nie!
Im SKET-Magdeburg (Schwermaschinenbau) entschied man sich (aus bisher unbekannten Gründen) unter anderem für einen Heimcomputer. Alle Bauelemente sollten aus DDR-Produktion stammen. In Zusammenarbeit mit der Technischen Hochschule Magdeburg (heute TU) entstand 1988/89 der Heimcomputer "HCX-80". Er basiert auf dem Betriebssystem des Sinclair "ZX-Spectrum". Die Programme für den ZX-80 laufen auch auf dem HCX-80. Beim Einschalten wird ein BASIC-Interpreter geladen. Basic-Befehle können direkt über die mehrfach belegten Tasten aufgerufen werden. Das Gerät wurde bis zur Produktionsreife entwickelt. Die doppelseitig durchkontaktierten Leiterplatten stellte die Firma (VEB?) GALVANO aus Wernigerode her. Es wurden etwa 20 Geräte in einer sogenannten Null-Serie gefertigt. Zu einer Großserie kam es nicht mehr. Geplant war auch eine Variante als Tastatur-Computer. Beim hier gezeigten Gerät handelt es sich um einen privaten Nachbau auf Basis dieses Projekts. Es gehört Viktor Cielepak, Magdeburg.
Vielen Dank an Ingo Trelewska für die Bereitstellung der Informationen.


"PC/M - Computer" (1989)

Mit der Ausgabe 1/1988 erschien in der Zeitschrift "Funkamateur" eine 11-teilige Bauanleitung für einen "Komfortablen Personalcomputer für den erfahrenen Amateur". Nach einem der Autoren wurde er kurzerhand auf "Mugler-PC" getauft.

Das Rechnerkonzept, basierend auf dem 8-Bit Mikrorechner-System U880, ist softwareseitig kompatibel zu Systemen, wie dem Bürocomputer A5120, A5130, PC1715 usw. mit dem Betriebssystem SCP. Es wurden 124 KByte im DRAM als RAM-Floppy organisiert, um die diskettenorientierte Arbeitsweise des Betriebssystems zu gewährleisten. Als dauerhafter Speicher wird, wie auch hier im Grundbetriebssystem, die Magnetbandkassette eingesetzt, worauf die "RAM-Disketten" oder einzelne Dateien von diesen dauerhaft abgelegt werden können.

Merkmale des Computers:

- Einsatz eines RAM-Floppy statt eines Floppy-Disk-Laufwerkes (64 KByte oder 128 KByte RAM).
- Nutzung eines Kassettenmagnetbandgerätes zur Programm- und Datenspeicherung.
- Anschlußmöglichkeit für Tastatur, Drucker (IFSS oder V.24).
- Anschlußmöglichkeit verschiedener Bildschirmsteuerungen
(Grundversion 64 Zeichen mal 16 Zeilen mit 16 Zwischenzeilen, pseudografikfähig).
- frei verfügbare Hardwareschnittstellen (PIO, SIO, CTC).
- stufenweise RAM-Ausbau ist möglich.
- Systembus zum Anschluß weiterer Baugruppen (EPROM Programmierung, Grafikmodul usw.)

- Grundbetriebssystem mit Schnittstellen identisch zum CP/M BIOS.
- systemeigener Debugger.
- CP/M-kompatibles RAM-Floppy-Betriebssystem
- Grundsoftware für das Grundbetriebssystem (bereits bei 64 KByte RAM lauffähig; BASIC, PASCAL, Assembler U 8800 D und U 880 D, Reassembler U880D, Editor, CW-RX, Morseübungsprogramm, Schach, usw.).
- Lauffähigkeit CP/M kompatibler Software
- Anpaßbarkeit vieler 8080-, Z80- bzw. U880-Programme durch übliche Schnittstellen, 64 KByte RAM als Arbeitsspeicher und Dokumentation von Hard- und Software.

Vielen Dank an Stephan Linz für das Foto.
Das komplette Projekt unter: http://www.li-pro.net/pcm.phtml/


BCS 03

Verschiedene Ausführungen von ZX-Spectrum-kompatiblen Selbstbauobjekten
Vielen Dank an Frank Märtin für die Fotos. Auf seiner Homepage kann man leider nichts mehr finden, auch nicht mehr die vielen Scans alter DDR-Zeitschriften zum Thema Computer.


Z1013 kompatibler Z80-Computer


Auch so etwas gab es, den Nachbau des ROBOTRON-Bausatzes "Z1013".
Mehr Infos zu diesem Nachbau sind auf der Homepage von Tobias Bremer zu erfahren.



Ein selbstgebauter Mikrorechner, angebastelt an einen Röhrenfernseher...


Baupläne in Bücherform

Der vom Militärverlag der DDR in der Reihe "electronica" im Jahre 1984 auf 188 Seiten vorgestellte Computer verwendete, wie viele andere Rechner auch, den Prozessor U880D. Das voll ausgebaute System bestand aus folgenden Komponenten:
-CPU-Baugruppe als Einplatinenrechner mit 3 kByte-ROM und 1 kByte-RAM (max. 64 kByte RAM)
-Bildschirm mit 24 Zeilen zu je 64 Zeichen
-alphanumerische Tastatur (maximal 64 Tasten)
-Kassette als externes Speichermedium
-parallele und serielle Ein-/Ausgabeschnittstelle
-EPROM-Programmiergerät
Als Bildschirme wurden handelsübliche kleine Fernseher verwendet, oft nur in Schwarz/Weiß, zur Aufzeichnung kamen normale Kassettenrecorder zum Einsatz. Die Hardware kann vom reinen Einplatinenrechner bis zum kompletten System ausgebaut werden. Gedacht wurde an einen möglichst breiten Anwendungsbereich und ein dementsprechend breites Softwarespektrum - von Maschinensprache (Assembler) über BASIC bis hin zu höheren Programmiersprachen.

Das Buch "Praktische Mikrocomputertechnik" führte 1987 in die Schaltungstechnik der Mikrocomputer ein. Konkrete Schaltungen zeigten eine amateurgerechte Lösung für alle wichtigen Baugruppen eines Mikrorechners. Somit konnte mit relativ wenigen Bauteilen ein doch leistungsfähiger Computer aufgebaut werden.

Technische Daten der vorgestellten Baugruppen:
CPU: U880, RAM: 16kByte, ROM: 32-64kByte davon 12k für BASIC-Interpreter, Bildausgabe auf 16 Zeilen x 64 Zeichen s/w, CTC/SIO, Digital- Analogwandler, Alpha-Tastatur, Magnetbandanschluß, serielle Schnittstelle, EPROM-Programmierer, Floppy-Controller.

 

Weitere Literatur zu Eigenbau-Computern

Schiller, E.: Basic-Heimcomputer, rfe, 1985, H1, S13-18

Barthold, Bäurich: Mikroprozessoren - Mikroelektronische Schaltkreise und ihre Anwendung, Teil 1 bis Teil 3, amateurreihe electronica Bd. 186-188, Militärverlag der DDR, 1980

Eckhard Schiller: U880-System mit minimalem Aufwand, rfe 1983, H3, S154-156

Dipl.-Ing. Rainer Erlekampf, Dipl.Phys. Hans-Joachim Mönig (Hrsg.): Basic-Kleincomputer, in "Mikroelektronik in der Amateurpraxis", Militärverlag der DDR, 1987

Dr.-Ing. Burkhart Fimmel: Grafikfähiger Mikrorechner mit U880, rfe 1987, H8, S515-517

Dipl.-Math. Eckard Schiller: MS-DOS-fähiger Eigenbau-PC, rfe 1989, H11, S690-695



Einplatinenrechner BM880

Einplatinerechner BM880 Obwohl der BM880 eigentlich nicht als "Privat-Entwicklung" gelten kann - kam die Info doch aus dem Büro für Neuererwesen des VEB Funkwerk Köpenick - so ist hier doch beispielhaft erkennbar, daß Mitte der 80er Jahre plötzlich überall in der Volkswirtschaft "neue" Mikrorechnersysteme entwickelt wurden, die jedoch in den seltensten Fällen produktionswirksam geworden sind. Hierbei handelte es sich in der Regel um private Entwicklungen mit staatlicher Sanktionierung, denn für's Neuererwesen gab' schließlich auch zusätzliches Geld in Form von Prämien und bei der Realisierung einer Neuerer-Vereinbarung wurden regelrechte Stundenlöhne gezahlt (zusätzlich zum normalen Einkommen, weil die Neuererleistung eigentlich nach Feierabend gemacht werden sollte). Soweit die Theorie - in der Praxis wurden Neuerleistungen sehr oft während der normalen Arbeitszeit durchgeführt. Die staatliche Leitung mußte das oft so dulden und deckte das auch, weil sonst kaum jemand Neuerer-Arbeit gemacht hätte und die vorgegebenen Kennziffern für die Neuerer-Bewegung nicht eingehalten worden wären - und Planerfüllung war nun mal Gesetz!

Der BM880 ist ein Einplatinen-Rechner auf der Basis des Mikrorechnersystems U880. Die Leiterplatte im K1520-Format enthält außer der CPU, 3xPIO, 1xCTC und eine spartanische Speicherausstattung von 1kByte RAM und 1,5KByte EPROM. Als Peripherie konnte eine 4x4-Tastenmatrix und eine 20-stellige LED- Matrix-Anzeige (VQC10) angeschlossen werden.
Der Einsatz sollte für kleine und mittlere Prozeßsteuerungen vorgesehen sein, was aber wegen der fehlenden Software-Unterstützung wohl eher ein Wunschtraum gewesen war (die EPROMs waren "jungfräulich leer"). Wie üblich wurden Schaltpläne, Bestückungspläne, Stücklisten und unbestückte Leiterplatten in Form einer kostenpflichtigen Nachnutzung angeboten. Die Kosten solcher Nachnutzung gingen nicht selten in die Tausenden von Mark der DDR und nur ganz selten kümmerte es jemanden, ob das ausgegebene Geld irgendwann wieder "eingespielt" werden kann.

Literatur
rfe, 1985, H10, S612



EPROM-Programmier-Modul

Das EPROM-Programmier-Modul ist eine Entwicklung von Prof. Dr. Horst Völz und Marco Cieri und wird beschrieben in der nachfolgend angegebenen Literatur.
Es läßt sich nur am KC85/3 aktivieren.
Das besondere:
Es wird die interne PIO des KC genutzt, das Modul selbst besitzt eigene Software in einem EPROM. Es startet im CAOS automatisch und gibt zusätzlich zu den CAOS-Menüpunkten folgendes Menü aus:

%PR
%VG
%TE
%MO
%BS
%AS
%GO



Herzlichen Dank an einen hilfreichen Leser für die Information. Leider steht das zugehörige Programm oder ein Hexdump des EPROM's damit immer noch nicht zur Verfügung. Abhilfe kann ggf. durch Buebchen erfolgen.

Literatur

Prof. Dr. Horst Völz, Marco Cieri: Einfaches Programmiergerät für KC85/2 und KC85/3, rfe 36 (1987), H.10, S662-663



CPU-Simulator für U880-Systeme

Die Inbetriebnahme, Test und/oder Fehlersuche vor der Instandsetzung von Baugruppen des U880-Systems, bzw. K1520 - gleichgültig ob Eigenbau, oder Industrieware - kann mit speziellen hochkomplizierten und demzufolge teueren kommerziellen Testsystemen durchgeführt werden. Es besteht aber auch die Möglichkeit der Verwendung von einfachen Test-Hilfsmittel, welche sich im Eigenbau leicht herstellen lassen. Eine Möglichkeit dazu zeigt folgendes Beispiel:

CPU-Simulator Die dazu gehörende Beschreibung - Bauanleitung - kann hier nachgelesen werden.







Copyright © robotron-net.de, letzte Änderung 22.12.2015